Shoot From The Hip (1997)

#andwhataboutthelyrics Folge 15

1994, 95, 96, 97 war ein gutes Jahr. Ja. Richtig gelesen. Aus heutiger Sicht ist diese Zeit für mich schon so lange her, dass ich mich vor allem daran erinnere, wie schnell sie vorbei war. Ich hatte mich damals schon etwas davon erholt, dass die vielen „Väter meines Erfolges“ mit der Auflösung meiner ersten Rainbirds-Besetzung nicht d’accord gegangen waren und mich fortan unter dem Label „die will ja gar nicht“ kaum noch durch die Schranken vor den großen Bühnen auf dieselben lassen wollten. Ich war aber noch weit davon entfernt, das wirklich zu verstehen.
Nach einer tiefgehenden Erschöpfung, die sich vor allem darin äußerte, dass ich mit dem Texten für das vierte Rainbirds-Album „In a different light“ nicht hinterherkam und mit der etwas zu mühselig zusammengestellten Live-Band in der Zeit nach „Two Faces“ nicht so richtig froh wurde, folgte glücklicherweise eine extrem konzentrierte und hyperkreative Zeit,

in die ich mich mit zwei Tricks hineinschrieb. Zum einen verfasste ich Texte, ohne dabei an gesungene Songs zu denken. Zum anderen zerschnitt ich Zeitungsartikel, Schlagzeilen und Filmplakate und klebte sie zu neuen Botschaften zusammen. Mit zwei „Magnetic Poetry“-Kits aus dem Museumsshop des Whitney Museum of American Art legte ich mir Gedichtminiaturen auf einem Serviertablett zurecht. Als sich in 1995 die Rainbirds-Triobesetzung mit dem Schlagzeuger Tim Lorenz anbahnte, fing ich auch wieder an, (englischsprachige) Songs zu schreiben, so wie eh und je: Ich spiele Gitarre, improvisiere dazu Fantasietexte und nach und nach kristallisiert sich aus dem Gefühl eine Zeile, aus der Zeile eine Geschichte und aus der Geschichte der Text zu der sich aus dem Singen entwickelnden Melodie.

Ob sich die Geschichte wiederholt, nachdem ich jetzt zu meinen Arbeiten mit den Zeitungsschlagzeilen zurückgekehrt bin, wird sich noch zeigen. Wovon ich aber eigentlich erzählen will, ist die Geschichten zu dem Song „Shoot From The Hip“. Die Vorlage zu dem Song ist eine Komposition von Ulrike Haage. Und wenn ich auch die Melodien zu fertigen Playbacks meist selbst entwickele, ist die Herangehensweise beim Texten zu diesen Tracks eine andere. Weniger automatisches Schreiben, visueller vielleicht, die Stimmungen der durch die Musik evozierten Bilder in Worte fassend.
So in etwa.

Mit dem „Magnetic Poetry“–Kit, das Wörter von einem Gedicht eines Beatpoeten zur Verfügung stellte, ist der Text über diesen kleinen, gemütlichen Teufel in mir entstanden, den ich offenbar sehr gern habe, genährt von einer durchgeknallten, singenden und post-atomare Gedichte ausspuckenden Mutter und einem süchtigen, schwitzend Visionen ausscheidenden Vater, dessen Affe auf der Schulter so viel Zucker braucht, dass er sich zu einem Esel auswächst. Das Teufelchen irrlichtert von einer Notlüge  zur nächsten, heult den gelben Mond an und verliert sich schließlich in einer blauen Stunde, zu blau um wahr zu sein. Zu weit weg von dem, was uns berührt und mitnimmt, was uns antreibt und durch und durch lebendig sein lässt. Und weil ich es so gerne habe, dieses sinnlich fiedelnde, aus der Hüfte schießende Teufelchen, ertrag ich es mit Fassung und übernehme die Verantwortung.

Vielleicht wiederholt sich die Geschichte ja doch noch einmal, und wie immer, in einer ganz neuen Variante.

PS. Das Video zum Song, weiter unten im Text, bebildert die Live-Version von  „Shoot From The Hip“, die mit dem Album rainbirds3000.live in 1999 erschienen ist. Die Studio-Version ist etwas ruhiger gesungen, ansonsten aber gleich. Die Bilder habe ich auf Tournee mit Tim Lorenz und Ulrike Haage in 1998 und ’99 gefilmt.

Shoot From The Hip

Oh yeah
Shoot from the hip
Take a trip to hell and back
Heave on, lazy devil
I will always love you

Go play
Your lovely fiddle lusciously
While your crazy mother sings
She pours post-atomic poetry
All over you all over me
Post-atomic holy holy shit

Go play
And spray-paint Daddy
For he’s drunk and stoned and smelly
Drooling visons from his butt
Like a sweating Bible book
With a monkey
With a monkey
With a donkey on his back

Oh yeah
Shoot from the hip
Take a trip to hell and back
Heave on, lazy devil
I will always love you

Go play
I’ll pay for the white lies
You howl at a yellow moon
In a very blue sky
Too blue to be true
And a very far cry from love
The kind of lusty love
We kill for
We spill our juice for
We wanna sink our teeth in
Right down to the core

Oh yeah
Shoot from the hip
Take a trip to hell and back
Heave on, lazy devil
I will always love you

 

© Katharina Franck, 16.01.2021 (auf Wunsch von Stefanie Clüsserath)

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