Hey, do you wanna play? – Jesus First!

Wenn ich mir die Aufnahme anhöre, die Anfang 1989 mit dem Album „Call Me Easy, Say I’m Strong, Love Me My Way, It Ain’t Wrong“ veröffentlicht wurde, fällt mir zuallererst das Sofa im Audio Studio in Berlin-Lichterfelde ein. Auch das Debütalbum, das Ende 1987 erschien, hatten wir dort aufgenommen. Und irgendwann, zwischen den Sessions zum ersten und zum zweiten Album, habe ich „Jesus First!“ geschrieben.

In den Pausen fläzten wir auf dem Sofa herum, tranken zuckersüßen Kakao aus einem Automaten und folgten mit den Blicken den Zwergkugelfischen, Banderolenkärpflingen und Tüpfelbuntbarschen in dem Aquarium, das in die gegenüberliegende Wand eingelassen war. Manchmal lief auch die Glotze, links oben unter der Decke hing sie, und einmal wurde eine Reportage über eine christlich geführte Suchtklinik gezeigt. Ich erinnere mich an die Patientin, die darüber sprach, wie der Glaube an Gott sie in ihrem Heilungsprozess stärken, ihre Homosexualität aber als Teil des Problems behandelt würde.

Ich war damals weder vor mir selbst, noch vor anderen geoutet. Dass ich Frauen attraktiv fand, belastete mich im Allgemeinen wenig. Der Repressalien, die von Kirche und Gesellschaft ausgingen und ins Private eindrangen, war ich mir aber sehr bewusst. Auch die Musikbranche war weit davon entfernt, mit Homosexualität den entspannten Umgang zu pflegen, für den ich mit diesem Song plädiere. Der Konflikt, in dem sich die Patientin befand, erschien mir absurd und „typisch Kirche“ und auf jeden Fall konträr zu jedweder Art von Heilung.

Das Ergebnis dieser kurzen Pause vor dem Fernseher war also der Song: „Jesus First!“, in dem ein unbeschwertes Ich ein anderes, zutiefst gläubiges, weibliches Wesen zu einem Verführungsspiel auffordert, das wohl schon länger Thema zwischen den beiden ist. Die Grenzen verwischen, Verführte und Verführerin tauschen die Rollen, nur einer bleibt gleich, der lovegod.

Hey
Do you wanna play?
It goes like this…
Jesus First!

Jesus first, she says
And tumbles in the eye of God
I got to remind her of
The things we used to dream about
She tells me
Whisper only
Better don’t you speak at all
Jesus First, she sighs
And tumbles back into my open arms

And I watch her
I know I’m not allowed to touch her
There is a very special kind of mutual loving
She hides her eyes and says it’s shocking
I don’t think I can take that much longer
I tell her any kind of love could make her stronger
She says: I know
Jesus First!

In der zweiten Strophe geben sich die beiden ihrer Lust hin und genießen jenseits aller Bewertung. Weil ein Popsong aber immer sehr kurz sein soll, stellen sie ziemlich schnell fest, dass sie den platonischen flotten Dreier mit Jesus noch spannender fanden als das wahre Ding ohne ihn. Der hübsche Reigen geht also wieder von vorne los. Die Akustikgitarrenmelodie übernimmt den ersten Tanz, die Stimme mischt sich ein, überlässt den Platz gleich wieder der Gitarre. Diese übergibt an die kleine Orgel, die dem Gesang den Boden bereitet, und die in der Bridge von warm klingenden, schalmeiartigen, ineinander verwobenen Gitarrenlinien übernommen wird.
Meine Lieblingsstelle im Song ist der kurze instrumentale Part mit dem sanften Congaspiel, das ganz allmählich Fahrt aufnimmt und den Song, wieder mit Hilfe der kleinen Orgel, in einen ziemlich drängenden Endrefrain überleitet, von dem er sich dann rücklings in andere musikalische Sphären fallen lässt.

Jesus first, she says
And tumbles in the eye of God
She changed her mind last night
The way we felt was beyond wrong or right
She looks at me and smiles
Now ain’t there something missing
Yeah, Jesus First! we praise
Jesus First she says
And tumbles back into my open arms

And I watch her
I know I’m not allowed to touch her
There is a very special kind of mutual loving
She hides her eyes and says it’s shocking
I don’t think I can take that much longer
I tell her any kind of love could make her stronger
She says: I know
Jesus First!

There is a little good looking lovegod over here for you
Hello
Lovegod
Love
God

Hört Euch „Jesus First!“ auf Spotify an:
Die Originalversion von 1988
Das Remake von 2014

© Katharina Franck, 20.04.2017, für Christoph Endres und Stephen Janetzko

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