Wirre Widersprüche – River And Rain (2003)

„Die Musik schließt dem Menschen ein unbekanntes Reich auf, eine Welt, die nichts gemein hat mit der äußeren Sinnenwelt, die ihn umgibt und in der er alle bestimmten Gefühle zurücklässt, um sich einer unaussprechlichen Sehnsucht hinzugeben.“ (aus: „Die Serapionsbrüder“ von E.T.A Hoffmann)

Frage: Ab wann ist ein Leben ein langer, ruhiger Fluss?
Antwort: Keine Ahnung!

So wie ich das nun seit einigen Jahren beobachte, werden mich die Hochwasserphasen, Stromschnellen, Strudel, unerwartete Sturzbäche, Wasserfälle, gefolgt von Perioden extremen Niedrigwassers oder brackiger Brühe wohl noch bis ins hohe Alter begleiten. Erlösung kommt mit den Regengüsse biblischen Ausmaßes, in die ich schreiend hineinlaufe, mir die Kleider vom Leib reiße, um mich von allen Sünden reinzuwaschen und wie neu geboren zu fühlen. Zumindest wie im Kino, oder in der Fantasie.

Freude, Schmerz, Verwunderung, Frechheit, Komik, Enttäuschung, Sehnsucht, Lust, Zärtlichkeit, Wut und himmelhochjauchzend zu Tode betrübte Einsamkeit. All das kann man nicht selten bei meinen Live-Auftritten mitfühlen. Manchen ist das zu viel, aber einige kommen genau deshalb immer wieder und lassen sich von diesen, für mich lebenswichtigen Energieschüben mitreißen.

1. Strophe:

When pain and pondering is all I have left
And all I can think of is retaliation
Insane and somber moods persist
They break my heart
A river survives it`s draughts and tides
And I should let go of this bitter notion
Transfigured a lost love to one never ending
Tears me apart

River And Rain handelt zunächst einmal von einer vergangenen Liebe, die man krampfhaft zu verlängern sucht. Wie dadurch nichts außer düstere Gedanken und verstörende Rachegelüste übrigbleiben, und wie man allmählich beginnt, sich selbst dafür zu hassen. Obwohl man weiß, dass mit derselben zerstörerischen Energie das ganze Festhalten aufgebrochen werden kann, und alles um einen herum wieder zu strahlen und alles in einem selbst wieder zu blühen beginnt.

2. Strophe:

The moist and fertile grounds I chose
To bury softness and appreciation
Could turn into fields of succulent grass
And ease my mind
A river survives it`s draughts and tides
And I could get rid of what I carry with me
Slag and mud and a monkey wrench
Turn that page

Solch eine Katharsis ereilt einen ja nicht ständig. Man kann schon froh sein, wenn einem zuweilen ein Licht aufgeht. Wie die Dinge und die Menschen, die einem zu schaffen machen, zu verstehen sind, in welchem Kontext sie stehen, und wofür das lange Festhalten an ihnen gut ist. Am allerwichtigsten ist es aber, den richtigen Augenblick nicht zu verpassen, diese Dinge und Menschen endlich loszulassen.

Refrain:

Sweep it all away
Drown it in the sea
Smooth down the edges
The dissimilar pledges and
Bring it all back to me as
Rain

Und so lasse ich in meinem Lied den Fluss, der die Wolken speist in deren Regenguss ich mich stelle, meine wirren Widersprüche hinaus aufs offene Meer spülen, mit Geröll und Dreck und allem, was so anfällt an Abfall.

Hört Euch River And Rain auf Spotify an.

© Katharina Franck, 12.06.2017 (für Bernd Baumgarten)

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