Lass Luft an die Wunde – It’s All Right

#andwhatabouthelyrics Folge 11

Zwischen Verzweiflung und Entschlossenheit ein stumpf pochendes Herz, das ganz verhärtet sich quadratisch anfühlt. Würde es davonpoltern, wäre der Schmerz unerträglich. Doch ist da bleiben und aushalten nicht noch viel schlimmer?

I tell you what you don’t want to hear
I remind you of what is oh so clear
‚Cause I I I have no time to waste

Well, you’ve got something
I call it second skin

It’s that tearing will to win
 It drives you out of your head
It drives you mad
I know you hate it like some kind of bloody stain
With nothing to clean it off but the rain
You will get so wet
You’ll never dry again
Whatever it is
It’s all right

Opfer, Täter, gequälte Seele, Vollstrecker? Komm her, geh weg, Zuckerbrot und Peitsche? Was auch immer gemeint ist, es ist natürlich nicht okay. Und ob ich das damals als Zwiegespräch verstanden wissen wollte, oder als Monolog, weiß ich heute nicht mehr. Nur, dass man JEMAND lieben kann, der einen ganz unerwartet schwer verletzt. Weil Dummheit und Feigheit zu einer Attacke auf Körper und Seele wird, auf die man so nicht vorbereitet war. Ich weiß, wie man JEMAND wünschen kann, JEMAND möge dieselbe Verletzung erfahren, jetzt sofort auf der Stelle, und wie man JEMAND doch nichts dergleichen wünschen möchte, weil man JEMAND so sehr liebt.

Sometimes you tell me you’re afraid to get hurt
Then you are shaking like a little bird
I want to hold you tight
And never let you go
I want to hold you tight

Vielleicht ist das Schlimmste am persönlichen Verrat der Teil, der einen nötigt im Widerspruch zu seiner Liebe, seiner Sorge und Achtsamkeit zu empfinden. Das „Ich“ in meinem Song wechselt nicht die Seiten, lässt seinen Gefühlen freien Lauf und wünscht, JEMAND möge die eigene Seele nur mit einem dieser sprichwörtlichen Regen reinwaschen können, der JEMAND bis auf die Knochen und für immer durchnässt.

But here I tell you what you don’t want to hear
Yes, I remind you of what is oh so clear
‚Cause I have got no time to waste
I have no time to waste
And now you hate me like some kind of bloody stain
With nothing to clean it off but the rain
Oh, you will get so wet
You’ll never dry again

Wenn ich mir das Demo zu dem Song anhöre, fällt mir aber das Spielerische, das etwas Affektierte an der Interpretation auf. Vielleicht wollte ich so eine Distanz zum Auslöser schaffen, wie nah oder fern dieser mir damals auch gewesen sein mag.

Whatever it is
It’s all right
Baby

Ich erinnere mich, dass ich immer bis Zwölf gezählt habe, bevor ich das kleine A und dann die Oktave auf dem Piano gespielt habe. Wie sich das gegenüber der Aufteilung der Gitarrenakkorde verhält, deren Wiederholungen sich nach der Länge der Strophen und nicht nach dem Takt richten, finde ich nach wie vor spannend. Der ostinate Bass und sogar der in Teilen stark gequetschte Stimmsound ist schon auf dem 4-Spur-Demo zu dem Song zu hören.

In der Studioversion singe ich weniger übertrieben. Dafür wird mit dem Stimmengewirr, das der ersten Strophe unterlegt ist, eine zweite Ebene geschaffen, die auf hörspielartige Weise für Distanz sorgt. Ist es ein Traum? Eine Szene in einem Film? Auf jeden Fall ist es eine gute Methode, ein wenig Luft an die Wunde zu lassen.

*

„It’s All Right“ erschien erstmals im November 1987 mit dem Debutalbum der Rainbirds. 2013 wurde dieses Album ‚remastered‘ wieder veröffentlicht.

Hier ist der Song auf Spotify zu hören

©Katharina Franck, Ostern 2018. Auf Wunsch von Oldrik Scholz.

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