21 Gramm – Education Of The Soul

#andwhataboutthelyrics Folge 10

Frank Kellogog singt mit leiser Stimme. Die sitzt in seiner Kehle an einer Stelle, unter der sich ein ganzer Kontinent öffnet, eine Kathedrale von Sternen. Jedenfalls eine unermessliche Weite, nach der man sich nur sehnen kann. Seine sanfte Gesangslinie inspiriert mich zu meiner Refrainmelodie, mit der ich mich in der Strom der Musik lehne, die diese Weite zum Beispiel in die unterirdische Empfangshalle eines noch nicht eröffneten Flughafens transportiert, oder in den Berliner Hauptbahnhof nachts um halb vier. Beide Orte gab es 1995 noch nicht.

Hier geht es zu dem Song auf Soundcloud

Es ist das Jahr 2018. Inzwischen wissen wir, dass die Amöbe und das Bärtierchen die überlebensfähigsten Lebewesen auf unserem Planeten sind und dass die Seele eines jeden Menschen 21 Gramm wiegt. Bei allen! Gleich schwer! Nein! Das ist Quatsch. Aber wäre es nicht schön, bei all dieser Gefühlsduselei, die in den Parlamenten und Bundestagen grassiert, dem Gequatsche von “unseren Werten, unserer Kultur”, wenn sich anhand eines solch volksnahen Beispiels die Gleichheit aller Menschen beweisen ließe? Ich verstehe die Leute nicht, die sich krampfhaft gegen ein entspanntes, respektvolles, einvernehmliches Miteinander wehren, alte Parolen skandieren, Geschichte umschreiben, die Vorherrschaft einer “Weißen Rasse” propagieren, die Existenz eines dritten Geschlechts ignorieren, und auf ihr Recht pochen, abwertende und verletzende Bezeichnungen für Menschen zu verwenden, denen sie sich in jeglicher Hinsicht überlegen fühlen. Wieso? Ich meine, wie kommen die darauf, dass sie zum Beispiel ein besseres, ein richtigeres Wissen über andere haben?

People in dreams
Are often name-
But seldom faceless
People in dreams hear
Planes come in
Here they come now
People in dreams
Are at many common places
He don’t know and
She don’t know
They only work there

People in dreams
Wake at all times
By my bedside
People in dreams
Never wonder why
No no no no
He don’t think
And she don’t think
Make me say
Some dreadful things
I don’t relate to

People in planes
Never dream of flying
To scared of dying
Waking up
So spread your little wings and say
Yeah yeah yeah yeah
Show me how the planes come in
Show me how the planes come in
Show me how the planes come in
Oh oh oh yeah

Wenn ich über den Song “Education Of The Soul” schreiben will, muss ich mir das gesamte Album “Making Memory” vorknöpfen, das fünfte Studioalbum der Rainbirds, auf dem wir vielen Künstler*innen unsere Referenz erweisen: William Burroughs, den wir in “With A Smile” zitieren, und der uns mit seinen Briefen an Allen Ginsberg zu dem leidenschaftlichen Liebeslied “Nothing Cancels Love” inspiriert hat. In “Oblivionseekers/Here To Go” treffen wir mit William Burroughs auf Denton Welch und Isabelle Eberhardt zu einem köstlichen Ménage à Quatre. Wir covern “Memories” von Hugh Hopper, weil wir die Versionen von Robert Wyatt und Whitney Houston so lieben. Wir huldigen denen, die auf ihre Pferde springen und wie wild in alle vier Himmelsrichtungen davonreiten. Und packen liebevoll die vielen kleinen Erinnerungsstücke aus den wattierten Schmuckschatullen, schauen sie uns an und legen sie wieder hinein. Gott, nein, früher war nicht alles besser, aber es ist tatsächlich ein anderes visuelles Erleben, wenn du zum Beispiel eine Fotografie in die Hand nehmen und in unterschiedlichem Licht betrachten kannst.

People in dreams
Are often dull and disconnected
They only work where
All the planes come in
Here they come now
People in dreams
Can get quite peculiar
When they hear trains go by
Bye bye bye bye
People in dreams
Are often dope and so darn useless
People in dreams
Are such a crashing bore
He should know
And she should know
That eventually I’ll wake up
A stranger
Ever changing like a
Thoroughly deranged and corrupt World
Never would
He should know
And she should know
What they are here for
What are they here for?
They’re here to go
Ain’t no fish in the sea
You can’t catch
Ain’t no fish in the sea
You can’t fry

People in dreams
Are sometimes very eager
Where they work
I try to extend my hand and linger
Where they work
I lay my head in the nape of my neck
Where they work
I take a deep deep deep
Breath to begin with
The education of my soul
All I ever give you is
Education of the soul
All I ever want is

Am tiefsten ist unsere Verbeugung vor dem Fotografen Robert Frank. Ich bin immer noch stolz darauf, dass ich Anton Corbijn davon überzeugen konnte, die Fotos, die er von uns für das Cover von “Making Memory” gemacht hat, auf ähnliche Weise bearbeiten zu lassen, wie es Robert Frank mit seinen Negativen tut. Wenn Erinnerungen durch das geschaffen werden, was man gelernt hat zu sehen, zu wissen, zu verstehen, dann muss unter dem Bild, das man sich gemacht hat, die wahre Geschichte zum Vorschein kommen, sobald man an der Oberfläche kratzt.

People in dreams
Sometimes get very lonely
They cling to you
And then they never want to let go
Cause he don’t know
And she don’t know
How good it gets to be alone
All they do is work here
At this station

People in dreams
With reserved and sullen faces
Joining in for old times sake
Hello Dragsville!
I can see the years go by
I can hear the years go by
I can feel the years go by
Bye bye bye well

He should know
And she should know
What they are here for
What are they here for?
They’re here to go
Ain’t no fish in the sea
You can’t catch
Ain’t no fish in the sea
You can’t fry
And where they work
I try to extend my hand and linger
Where they work
I lay my head in the back of my neck
Where they work
I take a deep deep deep
Breath to begin with
The education of my soul

All I ever want is
The education of my soul
All I ever give you is
Education of the soul
All I really want for is
Education of the soul

Ich lerne auch heute noch täglich dazu und möchte gerne Teil eines Großen und Ganzen sein. Nicht Teil eines Volkes, einer Sekte, einer ausgrenzenden Massenbewegung. Mein ältester Wunsch, den ich hege und pflege, und der über die Jahrzehnte immer wieder Thema meiner Texte ist, ist der nach Entwicklung und Veränderung. Durch das Kratzen an der Oberfläche, das Ausloten von Untiefen. Alles was mir, seit ich denken kann, wichtig ist, ist Bildung der Seele, Reichtum der Gedanken, Feier der Fantasie. Träume zu deuten, kann ein Anfang sein. Wenn jemand mit der Bedeutung nichts anfangen kann, hilft es nicht weiter, klar. Ich biete mit meiner Musik und meinen Texten keine Dienstleistungen an. Ich mache Geschenke.

Copyright protected!
Detail einer Doppelseite aus dem CD-Booklet von “Making Memory” ©Fotos: Anton Corbijn, Artwork: Dirk Rudolph. Urheberrechtlich geschützt!

 

©Katharina Franck, 21. Februar 2018, auf Wunsch von Pociao.

 

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